Mittlerweile ist eine gute Woche vergangen und wir sind am Freitag Nachmittag auf die Farm von Michele und Shaun gefahren. Keith hatte am Freitag auch Geburtstag und das musste natürlich kräftig gefeiert werden - 60 wird man nur einmal im Leben! Er wollte allerdings keine große Party, sondern lieber ein ruhiges Wochenende auf der Farm mit der Familie. Zur Feier des Tages waren wir aber abends in Hamilton schick Essen. Das Restaurant war echt super edel und das Essen war fantastisch!
Nun zur Farm von Michele und Shaun. Die beiden wohnen ca. 80 km von Rotorua entfernt, zwischen Cambridge und Matamata, ca. eine halbe Stunde von Hamilton entfernt. Auf der Karte könnt ihr sehen, wo sich das befindet. Hamilton ist für neuseeländische Verhältnisse mit 180.000 Einwohnern recht groß. Im Vergleich, Rotorua hat nur 55.000 Einwohner. Ryan wohnt seit gut zwei Jahren in Hamilton und arbeitet dort als "Flight Instructor", sprich er bringt anderen Leuten das Fliegen in kleinen Flugzeugen bei (4-Sitzer).
Michele und Shaun sind seit fast 2,5 Jahren auf der Farm und kümmern sich dort um ca. 320 Milchkühe und 120 Kälber aus dieser Saison. Die beiden sind ihre eigenen Chefs und müssen täglich zweimal melken - 4:30 und 15:00! Das Melken dauert so um die 3,5 Stunden inklusive Kühe von der Weide holen und danach wieder alles sauber machen. Näheres dazu das nächste Mal, für alle die es interessiert, wie das Melken im Detail abläuft.
Wir sind also Freitagabend auf der Farm angekommen und von dort aus gemeinsam nach Hamilton gefahren, wo uns schon Ryan im Restaurant erwartet hat. Nach dem Essen sind wir fünf wieder zurück auf die Farm und Shaun und Keith sind dann am Samstag super früh aufgestanden, um die Kühe zu melken. Wir Mädels durften ausschlafen. ;) Mittags sind dann Michele, Henny und ich nach Matamata gefahren und haben den Nachmittag in der Kleinstadt verbracht. Als es dann endlich dunkel wurde, haben wir uns auf Possum Jagd gemacht. Possums sind in Neuseeland leider Gottes eine echte Plage und daher sind die Behörden sehr dankbar, wenn die Leute sie erschießen. Mit dem Fell der Possums kann man sogar noch etwas Geld verdienen. Eine solche Jagd kann man sich so vorstellen: Henny, Michele und ich fahren auf dem einem Quad und haben eine super starke Lampe dabei, um die Possums aufzuspüren (sobald man die Lampe auf ein Possum richtet, sieht man glühend rote Augen). Shaun und Keith sind mit dem zweiten Quad gefahren und haben die Possums mit einem Jagdgewähr erschossen. Insgesamt haben wir an dem Abend nur vier gefunden. Klingt brutal, ist hier allerdings Alltag.
Für alle Herr der Ringe Fans - in Matamata befindet sich Hobbiton! :D Da ich auch zu den Fans gehöre, werde ich defintiv mal am Wochenende dort vorbeischauen und an der dreistündigen Tour teilnehmen. Am Sonntag sind wir dann nach dem Melken zusammen nach Hamilton gefahren und haben Ryan von Zuhause abgeholt. Dort haben wir dann den Nachmittag mit Shoppen und Essen verbracht. ;) Natürlich mussten wir wieder rechtzeitig zum Melken zurück sein und dieses Mal war ich auch mit am Start. :P Nach dem Abendessen sind wir dann zurück nach Rotorua gefahren.
Dienstag war dann endlich mein erster Arbeitstag in St. Chads! Da ich leider noch kein Auto habe (aber hoffentlich ab nächster Woche) bin ich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Da Rotorua nicht so flach ist wie Leipzig, bin ich nach den 25 min gut aufgewärmt angekommen. An diesem Tag war der Manager nicht da und die anderen wussten nicht so wirklich bescheid, dass ich an diesem Tag anfangen würde zu arbeiten. Naja, war dann am Ende nicht so schlimm, ich würde freundlich empfangen und mir wurde alles gezeigt. Begonnen hat der Tag in einem Stuhlkreis und ich wurde gleich mit einem Haka (Kriegstanz der Maori) begrüßt. In St. Chads war ich dann Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 9 bis 15 Uhr. St. Chads ist doch nicht, wie vorher von mir angenommen, eine Behindertenwerkstatt. Es ist eher eine Einrichtung, die eine "Beschäftigung" bietet, aber keinen Arbeitsplatz. Jeden Tag kommen so im Schnitt 20-25 Menschen im Alter von 20 bis 50? Jahren, um dort betreut zu werden. Manche sind jeden Tag da, andere arbeiten an manchen Tagen noch woanders. Der Tag wird anhand von drei Sessions gegliedert, die jeweils 1,5 Stunden dauern. Dazwischen ist dann eine halbe Stunde "Morning Tea" Pause und eine Stunde Mittagspause. Währen den Sessions gibt es verschiedene Angebote, die von den Teilnehmern selbst gewählt werden können. Diese wären zum Beispiel Kochen & Backen, Gartenarbeit, Besuch der Bücherei, Computerklasse, Arbeiten mit Holz (Werkunterricht), verschiedene Kunstangebote, Musik & Tanz, Sport, etc. Das Angebot variert jeden Tag. Insgesamt gibt um die 15 Mitarbeiter, manche sind Vollzeitkräfte, andere Teilzeitkräfte und dann gibt es noch Freiwillige wie mich.
Während meiner ersten Arbeitstage war ich hauptsächlich bei den Kunstangeboten. Donna (die Leiterin der Abteilung) stellt echt super tolle Sachen mit den Teilnehmern her! Diese werden dann im hauseigenem Shop verkauft und bei Austellungen präsentiert. Von Donna kann ich mir echt einige tolle Sachen für meinen zukünftigen Werkunterricht abgucken. Ich versuche mal Bilder von den Sachen zu machen, damit ihr eine Vorstellung von deren Arbeit bekommt.
Mal gucken wie es so nächste Woche weitergeht. Erstmal sind drei Tage Vollzeit bei St. Chads angesetzt, aber ich habe nächste Woche endlich ein "Vorstellungsgespräch" in dem Café, in dem auch Henny arbeitet (--> Be Rude Not To). Hoffentlich ergibt sich da was. :)
Morgen gehts mal wieder auf die Farm übers Wochenende. Dort werde ich dann mal Fotos während dem Melken machen und euch beschreiben, wie das alles abläuft. Mehr dazu dann nächste Woche!
Bis dahin - lasst es euch gut gehen!

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